„Gesicht zeigen – Gemeinsam“

Redebeitrag von Hilal Sezgin auf der Demo „Stoppt Trump!

16299015_1335176066525396_8917921251524723791_n

Shalom und Assalamualeikum, Friede sei mit euch!

Liebe Geschwister in der Solidarität, wir haben uns heute hier versammelt, um uns gemeinsam gegen die rassistische Politik Trumps zu stellen und uns mit allen marginalisierten Gruppen zu solidarisieren. Um Gesicht zu zeigen. Um Haltung zu zeigen. Gemeinsam.

Gemeinsam ist hier das Schlagwort. Ob muslimisch, jüdisch, christlich, ob nicht-gläubig, weniger oder anders gläubig spielt dabei keine Rolle. Der politische Mainstream-Diskurs trennt uns bereits seit wir denken können, ordnet uns in Schubladen in Kategorien ein, homogenisiert ganze Gruppen zu einer gesichtslosen Masse, blendet ganze Communities und Stimmen aus.

Was in den letzten Monaten passiert ist, hätten wir uns vor einigen Jahren kaum  vorstellen können. Es werden Aussagen getätigt, die wir in unseren schlimmsten Alpträumen nicht hätten erwarten können. Was ist passiert? Mittlerweile habe ich Angst, dass wir irgendwann immun dagegen sind. Dass wir uns nicht mehr wundern über Rassismus, dass wir nicht laut werden. Wenn wir irgendwann aufgehört haben, laut zu sein, dann, erst dann haben wir verloren.

Politikerinnen und Politiker wie Trump in den USA oder lasst uns gar nicht so weit weggehen, wie Höcke hier bei uns im Thüringer Landtag, polarisieren unsere Gesellschaft und normalisieren Rassismus. Mit rassistischen, islamophoben, antisemitischen und menschenverachtenden Parolen betreiben sie Politik, schüren Angst und nutzen diese Angst aus. Und sie sind erfolgreich damit. Das Konzept funktioniert. Denn eine Schwarz/Weiße Welt zu konstruieren, ist nicht so schwer. Gerade jetzt, in diesen Zeiten, in denen rassistische Parolen legitimiert und sogar ganze Gesetze werden, müssen wir handeln! Denn wenn nicht jetzt, wann dann?

Der antimuslimische Rassismus gehört seit einiger Zeit zum muslimischen aber auch zum nicht-muslimischen Alltag. Denn er fragt nicht danach, wie gläubig man ist, ob man überhaupt glaubt. Khalid Jabara, dem christlichen Libanesen, wurde nicht gefragt, wie muslimisch er war, bevor er von seinem Nachbarn kaltblütig getötet wurde. Es reicht also schon, wenn man aus einem muslimischen Kulturkreis oder Kontext kommt, einen muslimischen Namen trägt oder als muslimisch markiert wird, als solcher  wahrgenommen wird.

Es werden koloniale Feindbilder auf unsere Körper projiziert, um das Andere zu  konstruieren. Das andere, das homophob, antisemitisch und frauenfeindlich ist, als beträfen diese Phänomene auch nicht die sogenannte Mehrheitsgesellschaft. Von importiertem Antisemitismus wird gesprochen, als hätte es Antisemitismus in Deutschland vorher noch nie gegeben. Homophobie, Antisemitismus und Sexismus sind Phänomene unserer Gesellschaft, die in allen gesellschaftlichen Schichten vorhanden sind und die wir gemeinsam bekämpfen müssen.

Und ich habe Hoffnung. In den letzten Jahren habe ich viel Hass gesehen, Politikerinnen und Politiker, die das Stück Tuch auf meinem Kopf instrumentalisieren und von meiner angeblichen Befreiung sprechen, über mich hinweg schauen. Als wäre ich nicht in der Lage über mich selbst zu entscheiden als wäre ich unmündig. Mein Körper wird zur Politik. Und ,dennoch habe ich Hoffnung. Denn ich habe viel mehr Liebe erfahren als Hass. Ich habe Communities gesehen, die zusammenhalten, die sich mit marginalisierten Menschen solidarisieren. Wir alle haben uns zu einer Einheit entwickelt. Gegen Hasstiraden, gegen Hetze und für unsere Werte. Für unsere Koexistenz. Und für eine bessere Welt. Und wir dürfen niemals vergessen: For if they take you in the morning, they will be coming for us that night.

Advertisements
Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Stop Trump, Boycott Racism / Stoppt Trump, Boykottiert Rassismus

(Scroll down for English.)

Stoppt Trump – Boykottiert Rassismus
Demonstration vor dem Geschäft New Balance in Berlin Mitte

Datum: 2. Februar 2017 um 18:00
Ort: Münzstr. Ecke Alte Schönhauser Str.

16387909_1202176333211367_3215149206236633079_n

Seit Trumps Amtsantritt vergeht kein Tag ohne dass grundlegende Menschenrechte von Migrant_innen, Muslim_innen, Frauen und Armen angegriffen werden. Jetzt ist die Zeit für uns alle zu handeln!

Trumps rassistische Politik kann nur dann Bestand haben, wenn einflussreiche Institutionen schweigen oder Unterstützung anbieten. Auf multinationale Unternehmen, die entweder Trump unterstützen oder sich in Schweigen hüllen, muss Druck ausgeübt werden, sich dem Widerstand gegen die Erosion der US-amerikanischen Demokratie anzuschließen.

Der Schuhhersteller New Balance ist ein stolzer Unterstützer von Trump. Protest und Boykottaufrufe gegen die Firma haben sich ausgeweitet, als deren Sprecher nach Trumps Wahlsieg bekanntgab, dass „[wir] mit dem gewählten Präsidenten Trump fühlen, dass wir in die richtige Richtung gehen“. Am 13. Januar veröffentliche der Boston Globe eine Untersuchung und legte dar, dass der Vorstand des Unternehmens, Jim Davis, fast 400 000 Dollar an die Wahlkampfkampagne von Trump gespendet hatte (https://www.bostonglobe.com/metro/2017/01/13/new-balance-founder-gave-nearly-trump/HEoVw5ig6OHhLKOc3dDorO/story.html ).

Inspiriert von dem jüdischen Anti-Nazi-Boykott 1933 und Boykottaktionen gegen die Apartheid in Südafrika rufen wir zu einem Boykott gegen all die Firmen und Institutionen auf, die durch Worte, finanzielle Mittel, oder Taten die Politik Trumps ermöglichen.

Wir, jüdische, muslimische Aktivist_innen und Verbündete, rufen deshalb zu einer Demonstration vor dem Hauptgeschäft von New Balance in der Münzstraße 23 in Berlin Mitte auf. Bitte bringt Eure New Balance Schuhe mit, falls Ihr welche habt, so dass wir sie symbolisch in die Mülltonne werfen, und dem Laden „zurückgeben“ können

Stop Trump – Boycott Racism
Demonstration in front of the New Balance store in Berlin Mitte

Date: 2. Februar 2017 um 18:00
Venue: Münzstr. Ecke Alte Schönhauser Str.

Since Trump’s inauguration, not a day has passed by without attacks on the basic human rights of migrants, Muslims, women and the poor. Now is the time for all of us to act!

The Trump administration’s racist policies can only come into being to the degree that powerful institutions remain silent or offer support. Multinational corporations are already the focus of US activists. All corporations which are either supporting Trump or remaining silent must be pressured to the join the resistance to this erosion of US American democracy.

The shoe manufacturer New Balance proudly supports Trump’s administration. Protest and boycott calls against the company spread shortly after Trumps victory, as a speaker of the company stated that “with President-elect Trump, we feel things are going to move in the right direction“. On the 13th of January, The Boston Globe published a well-resourced investigation of New Balance, reporting how the owner of the company, Jim Davis, gave nearly $400,000 to the Trump election campaign ( https://www.bostonglobe.com/metro/2017/01/13/new-balance-founder-gave-nearly-trump/HEoVw5ig6OHhLKOc3dDorO/story.html ).

Inspired by the Jewish Anti-Nazi Boycott from 1933 and the Boycott campaign against Apartheid South Africa, we call for a boycott of all companies and institutions which by word, money or deeds enable the Trump administration.

We, Jewish and Muslim activists and allies living in Berlin, call for a demonstration in front of the flagship store of New Balance in Münzestr. 23 in Berlin Mitte. We call on everyone to stand with us in solidarity and to join this protest. Please bring your own New Balance shoes, if you might have them, so we could symbolically dump them in a trash can and return them to shop.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , | Kommentar hinterlassen

MHG trifft Salaam-Schalom: Iftar-Picknick auf dem Feld

20160609_215148_resized

Wollt ihr mit alten und neuen Bekannten das Ende des Fastens auf dem Tempelhofer Feld feiern? Oder einfach mit Freunden einen netten Abend beim Essen und Trinken verbringen?
Dann kommt am 29. Juni zu dem gemeinsamen Iftar-Picknick der Muslimischen Hochschulgruppe Berlin und der Salaam-Schalom Initiative!

Wir treffen uns um 20:00 im Picknickbereich beim Eingang von der Herrfurthstraße (neben dem Gemeinschaftsgarten), um das Essen vorzubereiten, Iftar ist gegen 21:39.
Die Veranstaltung ist offen für alle.

! Wir bitten euch, Speisen, nicht-alkoholische Getränke und Geschirr mitzubringen. !

Für Fragen stehen wir euch gerne zur Verfügung: salaam.schalom.initiative@gmail.com

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

Salaam-Schalom Brunch (Mai)

SaShalogo

Grafik (c ) Dev Rys

Du willst die Leute hinter der Salaam-Schalom Initiative kennenlernen? Du hast Fragen oder Kritik zu unserer Arbeit oder unseren Statements? Oder willst du dich gar bei uns engagieren?

Komm am 22. Mai zum Salaam-Schalom Brunch!

Ort: Neuköllner Leuchtturm (12051 Berlin, Emserstr. 117.)
Datum: 22. Mai 2016, 11:00-13:30

Wir ermutigen alle, Snacks mitzubringen. Der Brunch ist vegan und alkoholfrei. Praktischerweise halten wir so automatisch alle jüdischen und muslimischen Speisevorschriften ein.
Kinder sind auch willkommen!

In Kooperation mit der Neuköllner Bürgerstiftung.

Want to get to know the people behind the Salaam-Schalom Initiative? Have questions or criticism of our work or public statements? Or do you want to get involved?

Come to the Salaam-Schalom brunch on the 22th of May!

All are encouraged to bring snacks. The brunch is vegan to automatically comply with all Jewish and Muslim dietary laws.
Children are also welcome.

Veröffentlicht unter Uncategorized | 1 Kommentar

Termin fällt aus

Liebe Freunde,

Die Durchführung der Veranstaltung „Debatten über uns“ wird leider aus technischen Gründen erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen und der Termin am 10. April in der Sehitlik-Moschee fällt aus.

Wir hoffen auf Euer Verständnis!

Das Orga-Team

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Debatten über uns – Muslimische und jüdische Stimmen zur Selbstbestimmung von Frauen

Ort: Kulturhaus der Sehitlik-Moschee (Columbiadamm 128, Berlin-Neukölln)

Datum: 10. April ab 12:45

12806097_1000636773361032_2248313545669383881_n

Aufgrund der Aktualität der Debatte um das Kopftuch mit der Verhandlung des Falles einer Lehrererin, die sich dafür einsetzt, mit Kopftuch unterrichten zu dürfen, und anlässlich des internationalen Frauentages veranstaltet die Salaam-Schalom Initiative am 10. April einen Nachmittag mit Workshops zum Thema Frauen im Islam und Judentum.

Frauen setzen sich sowohl im Judentum als auch im Islam überall auf der Welt für Ihre Rechte ein und kämpfen für die Umsetzung der Gleichstellung im Alltag und in der Religion. Warum schließen sich in der säkularen Wahrnehmung Religiösität und Feminismus aus?

Am 10. April diskutieren wir mit Euch muslimische und jüdische Stimmen zu diesem Thema und wiederholen aufgrund des großen Anklangs den Kopftuch-Workshop, den wir im September im Rahmen der Langen Nacht der Religionen veranstaltet hatten.

Programm:
Workshop 1 (12:45-15:00): Kopftuchdebatten: Kulturelle, religiöse und politische Hintergründe

Workshop 2 (15:45-17:50): Gleichberechtigung und Gleichstellung – was bedeutet das für uns überhaupt?

Lesung von Fereshta Ludin (18:30)

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , | Kommentar hinterlassen

Imported hatred or indigenous scaremongering?

Imported hatred or indigenous scaremongering?

About the construction of the anti-Semitic Arab

Statement by the Salaam-Shalom Initiative. English translation by Phil Butland and Deborah S. Phillips.

sashalogo4.jpg

In recent months, various parties have expressed concern about refugees from Syria and Iraq bringing problematic attitudes into the country. It is assumed that refugees hail from countries in which an anti-zionist stance is part and parcel of government policy. This would require the implementation of “upper limits” for refugees, as well as their committing themselves to Israel’s right to exist, while also giving priority “integrating” refugees to familiarise them with so-called German values.

The paternalistic tone of such arguments against newcomers shows one thing above all: social inclusion is not aimed at. The picture being painted is one of a threat which can only be answered with education enforced from above.

Moreover, the sweeping presumption of an “anti-Semitic culture”, which Arab and/or Muslim refugees allegedly “import”, is exceedingly cynical: these people are fleeing from violence and misery in their own countries. In Germany, they are not only confronted with daunting bureaucracy; they also experience assaults on their accommodations and hostile attacks from the local population nearly every day. In 2015, the police reported 880 racist-motivated assaults on refugees and migrants; in 2016 this figure is expected to rise. At the same time, the vast majority of anti-Semitic violence and criminal offences reported to the police are, and always have been, carried out by right-wing extremists. Attributing anti-Semitism to refugees thus says more about the people leading this discourse than about the refugees themselves: While refugees are fighting for survival and have little time to think about the Jews living in Germany, it seems that for some people the “fight against anti-Semitism” focusses on legitimizing their political influence: they are not interested in getting to know refugees, who are both socially and religiously a very diverse group. Instead, they want to justify rigid asylum policies by making ample mention of  “anti-Semitism of Others”. As if an upper limit for refugees, which is already legally dubious, were essential for dealing with „imported anti-Semitism.“

This reasoning is all the more absurd, as anti-Semitism itself, discourse and Stigmata are central components of the “Occident” developed by “enlightened” Christianity. People who attribute an “anti-Semitic” culture to all those from “Muslim” countries who have migrated to Germany, lack a certain cultural self-enlightenment: Germans with Christian backgrounds must also be aware of and account for their own heritage.

Furthermore, the definition of anti-Semitism on which these arguments are based is questionable. The premise, which is rarely explicitly formulated, is that refugees are anti-Semitic because any criticism of the State of Israel is seen as such. We should remember that rejection of Zionist movements had been a central component of Jewish discourse until much of European Jewry was decimated by the Nazis. Although this is largely overlooked, a genuine Jewish anti-Zionist tradition is a historical fact.

Additionally, equating anti-Semitism with anti-Zionism inevitably leads to a de-legitimization of the history of the Palestinian people and their aspirations in light of this history. It is understandable that many Palestinian refugees (especially those who lost their homes in wars in and around Israel) have a completely different perspective of Israel than Germans who feel, per se, bound to the state by historic responsibility. Some refugees‘ rejection of the Jewish state is thus not necessarily motivated by hatred of Jews: it is, on the contrary, an expression and a consequence of a political conflict in which a non-Jewish indigenous population lost a great deal of land and property. This is a matter of historic rights. The occupation is still going on and those who live in the occupied Palestinian territories have no semblance of legal security. They are subjected to reprisals, and lack control of and access to resources.

Anti-Semitism in the mainstream of German society is politically and sociologically different to the anti-Zionist sentiments of some refugees. Clearly, such opinions can potentially be accompanied by anti-Semitism. This does not mean, however, that every criticism of the Jewish nation state is motivated by anti-Semitism. German civil society, whether Christian, Muslim, Jewish or religiously unaffiliated must find ways of dealing with historic and present day anti-Semitism, while simultaneously acknowledging that the Palestinian people have paid and are continuing to pay a huge price for the safety of the Jewish state.

We need to fight and will fight anti-Semitism – whenever and wherever. It appears. We cannot, however, fight anti-Semitism by automatically branding anti-Zionism as anti-Semitism, belittling the historic narrative of the Palestinians and denying their historical suffering in the name of a Jewish historic narrative. Quite the opposite: we must listen to each other and accept the existence of more than just one single perspective of the Middle East.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , | Kommentar hinterlassen