„Gesicht zeigen – Gemeinsam“

Redebeitrag von Hilal Sezgin auf der Demo „Stoppt Trump!

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Shalom und Assalamualeikum, Friede sei mit euch!

Liebe Geschwister in der Solidarität, wir haben uns heute hier versammelt, um uns gemeinsam gegen die rassistische Politik Trumps zu stellen und uns mit allen marginalisierten Gruppen zu solidarisieren. Um Gesicht zu zeigen. Um Haltung zu zeigen. Gemeinsam.

Gemeinsam ist hier das Schlagwort. Ob muslimisch, jüdisch, christlich, ob nicht-gläubig, weniger oder anders gläubig spielt dabei keine Rolle. Der politische Mainstream-Diskurs trennt uns bereits seit wir denken können, ordnet uns in Schubladen in Kategorien ein, homogenisiert ganze Gruppen zu einer gesichtslosen Masse, blendet ganze Communities und Stimmen aus.

Was in den letzten Monaten passiert ist, hätten wir uns vor einigen Jahren kaum  vorstellen können. Es werden Aussagen getätigt, die wir in unseren schlimmsten Alpträumen nicht hätten erwarten können. Was ist passiert? Mittlerweile habe ich Angst, dass wir irgendwann immun dagegen sind. Dass wir uns nicht mehr wundern über Rassismus, dass wir nicht laut werden. Wenn wir irgendwann aufgehört haben, laut zu sein, dann, erst dann haben wir verloren.

Politikerinnen und Politiker wie Trump in den USA oder lasst uns gar nicht so weit weggehen, wie Höcke hier bei uns im Thüringer Landtag, polarisieren unsere Gesellschaft und normalisieren Rassismus. Mit rassistischen, islamophoben, antisemitischen und menschenverachtenden Parolen betreiben sie Politik, schüren Angst und nutzen diese Angst aus. Und sie sind erfolgreich damit. Das Konzept funktioniert. Denn eine Schwarz/Weiße Welt zu konstruieren, ist nicht so schwer. Gerade jetzt, in diesen Zeiten, in denen rassistische Parolen legitimiert und sogar ganze Gesetze werden, müssen wir handeln! Denn wenn nicht jetzt, wann dann?

Der antimuslimische Rassismus gehört seit einiger Zeit zum muslimischen aber auch zum nicht-muslimischen Alltag. Denn er fragt nicht danach, wie gläubig man ist, ob man überhaupt glaubt. Khalid Jabara, dem christlichen Libanesen, wurde nicht gefragt, wie muslimisch er war, bevor er von seinem Nachbarn kaltblütig getötet wurde. Es reicht also schon, wenn man aus einem muslimischen Kulturkreis oder Kontext kommt, einen muslimischen Namen trägt oder als muslimisch markiert wird, als solcher  wahrgenommen wird.

Es werden koloniale Feindbilder auf unsere Körper projiziert, um das Andere zu  konstruieren. Das andere, das homophob, antisemitisch und frauenfeindlich ist, als beträfen diese Phänomene auch nicht die sogenannte Mehrheitsgesellschaft. Von importiertem Antisemitismus wird gesprochen, als hätte es Antisemitismus in Deutschland vorher noch nie gegeben. Homophobie, Antisemitismus und Sexismus sind Phänomene unserer Gesellschaft, die in allen gesellschaftlichen Schichten vorhanden sind und die wir gemeinsam bekämpfen müssen.

Und ich habe Hoffnung. In den letzten Jahren habe ich viel Hass gesehen, Politikerinnen und Politiker, die das Stück Tuch auf meinem Kopf instrumentalisieren und von meiner angeblichen Befreiung sprechen, über mich hinweg schauen. Als wäre ich nicht in der Lage über mich selbst zu entscheiden als wäre ich unmündig. Mein Körper wird zur Politik. Und ,dennoch habe ich Hoffnung. Denn ich habe viel mehr Liebe erfahren als Hass. Ich habe Communities gesehen, die zusammenhalten, die sich mit marginalisierten Menschen solidarisieren. Wir alle haben uns zu einer Einheit entwickelt. Gegen Hasstiraden, gegen Hetze und für unsere Werte. Für unsere Koexistenz. Und für eine bessere Welt. Und wir dürfen niemals vergessen: For if they take you in the morning, they will be coming for us that night.

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