Statement zur Veranstaltung „Schatten des Regenbogens“

Unter dem Titel “Schatten des Regenbogens – Rassismus unter Queeren” fand am 28. Oktober 2015 eine von der Salaam Schalom Initiative organisierte Podiumsdiskussion in der Werkstatt der Kulturen statt.

Wir als Initiative stehen gegen jegliche Formen von Diskriminierung und Rassismus, und positionieren uns klar gegen Homophobie und Transphobie. Mit Sorge beobachten wir, dass LGBTQI-Rechte zunehmend instrumentalisiert werden, um Menschen mit Migrationshintergrund, Asylsuchende und Geflüchtete in Deutschland anzugreifen und zu marginalisieren. Es ist beunruhigend, dass Menschen mit Migrationshintergrund einschließlich queeren Geflüchteten rassistischen Erfahrungen auch innerhalb der queeren Community ausgesetzt sind. Das Ziel unserer Veranstaltung war daher, diese Phänomene zu untersuchen und denjenigen Gehör zu verschaffen, die solche Erfahrungen machen mussten und/oder gegen Rassismus in der queeren Community ankämpfen.

Wir danken der Werkstatt der Kulturen, unserem Gastredner Koray Yilmaz-Günay, und all jenen, die mit uns zusammen diese Veranstaltung möglich gemacht haben.
Als Teilnehmer fragten wir für unsere Podiumsdiskussion Personen an, die unmittelbar betroffen sind, vor allem queere People of Color. So sollte ein Gesprächsrahmen entstehen, der ein Gespräch über diese Themen zulässt. Als ein Kollektiv haben wir jedoch bei der Organisation der Veranstaltung Fehler gemacht. Zwei unserer Redner_innen, Sepehr Masakeni und Jay Keim, haben sich deshalb daraufhin entschlossen, ihre Teilnahme abzusagen. Wir bedauern dies sehr und entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten und Enttäuschung, die wir verursacht haben. Wir haben durch diese Erfahrung einige wichtige Lektionen gelernt und hoffen an ihnen zu wachsen. Auch in Zukunft werden wir hoffentlich mit verschiedenen Gruppen auf diesem Gebiet im Geiste der Solidarität zusammenarbeiten.

Wir möchten auch klarstellen, dass das Facebook-Event wegen der verstörenden Menge an rassistischen und beleidigenden Kommentaren gelöscht wurde. In einem solchen Ausmaß konnten wir die Diskussion nicht mehr effektiv moderieren. Wir stellen fest, dass das Thema für viele Seiten unangenehm ist, sind jedoch davon überzeugt, dass es ein wichtiges Thema ist, das wir nicht vermeiden, sondern durch Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Gruppen angehen müssen.

Pressestimmen zur Veranstaltung:

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Schatten des Regenbogens [Fotos]

Fotos von der Veranstaltung Schatten des Regenbogens – Rasissmus unter Queeren.

Fotos (c) 2015 Eric Guemise

IMG_2751 IMG_2759

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

[Veranstaltung] Schatten des Regenbogens – Rassismus unter Queeren

facebook-neu

Zeitpunkt: 28. Oktober 2015, 19:00
Ort: Werkstatt der Kulturen (Wissmanstr. 32, 12049 Berlin-Neukölln)

(Scroll down for English translation.)

Ist es möglich, dass eine Demonstration gegen Homophobie in Neukölln Rassismus fördert? Ist Homophobie in Deutschland heute ein Problem der „Migranten“? Wie lassen sich rassistische Vorstellungen in den Sphären LGBTQ-Identitäten charakterisieren?

Diese und ähnliche Fragen stellen wir bei unserer Podiumsdiskussion. Gemeinsam versuchen wir herauszufinden, wo und warum sich der LGBT-Aktivismus irrte, und wie man seine solidarischen Grundlagen wiederbeleben kann.
Wir versuchen uns Fragen der Sexualität, Homo- und Transphobie durch eine alternative Perspektive anzunähern. Eine Perspektive, die die Vielfältigkeit der Geschlechtsidentitäten gerecht ist, die die Stimmen der Marginalisierten und Unterdrückten mit einbezieht, und sich mit den politischen, ökonomischen und sozialen Verhältnissen verknüpfen lässt.

Referenten:
Jay Keim, Genderwissenschaftlerin, Aktivistin
Sepehr Masakeni, Lyriker, Blogger, Aktivist
Koray Yilmaz-Günay, Aktivist, Publizist, Verleger

Moderator:
Iskandar Ahmad Abdalla (Salaam-Schalom Initiative)

Shadows of the Rainbow – Racism among Queers

Is it possible that a demonstration against homophobia in Neukölln can enhance racism? Is homophobia in Germany a problem of „migrants“? How can racist ideas in the spheres of LGBTQ identities be characterized?

These and similar questions we ask at our panel discussion. Together we try to figure out where and why the LGBT activism was mistaken and how one can reanimate their solidary roots.
We try to approach questions of sexuality, homo- and transphobia through an alternative perspective. A perspective which does justice to the variety of gender identities, includes the voices of the marginalized and oppressed people, and which takes into account the political, economical and social circumstances.


In Kooperation mit der logo_wdk_weiss_rot_300.

 

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , | 1 Kommentar

#RefugeesWelcome: Europa ohne Grenzen / Europe without borders (Fotos)

Fotos (c) 2015 Yazan Doughan

8erKGhJynDi0phThJh8fR3NLmgFTgfE9k2JjL0IElTY,W2yg7Sp35h6mfnArtcKa_FNLW2MnobhEWSIz05JzlAw 3WPGSohRykv8w8Pjv_eMntbtXu6ZtUgiLbOfd3R8Afw,drCCvg101XR22VZzKpwwL5waXiyXbnrA9RZCopr7Wq4 v7HwJbop7iiffRGxSgVywt1b0Cz1SEKIf-DspoQztv8

WDETbNMYoGipSxKPUSEwXCU0XHuFjbfIYuElJNxcFc0

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

#RefugeesWelcome: Europa ohne Grenzen / Europe without borders

10378146_962551130462714_5011742399716026882_n

Foto (c) JD @ Migszol Csoport

Europa definiert sich schon wieder über Grenzen. Das ist nicht das Europa, das wir wollen. Wir wollen kein Kontinent sein, der Hilfesuchenden die Tür vor der Nase zuschlägt, der Flüchtlinge auf Boote zwingt, der Kinder im Meer ertrinken lässt, der Gewalt anwendet anstatt zu helfen.

Wir wollen ein geeintes und offenes Europa! Wir wollen aus der EU eine Union machen, die Verantwortung übernimmt.

Deswegen rufen wir zu einer Aktion für ein Europa ohne Grenzen vor dem Brandenburger Tor am Sonntag, 20. September um 18:00 auf.

Auf Facebook: https://www.facebook.com/events/1716808038549724/

Europe defines itself again through borders. This is not the Europe we want. We don’t want to be a continent that closes the door to those who seek help, that forces refugees to ships, that lets children drown in the sea, that uses violence instead of helping.

We want a united and open Europe! We want the EU to be a union that takes responsibility.

Please join us for an action for a Europe without borders in front of the Brandenburger Tor this Sunday on 20. September at 18:00.

On Facebook: https://www.facebook.com/events/1716808038549724/

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

Solidarität zwischen Minderheiten @ Festival gegen Rassismus

Solidarität zwischen Minderheiten in Theorie und Praxis

Datum: Sonntag, 6.9. 11h – 13h
Ort: Anh Lân Dô und Ngoc Chau Nguyên-Pavillon am Festival gegen Rassismus (Blücherplatz, Kreuzberg)

Juden und Muslime werden medial oft als die ewigen Gegner dargestellt: Der Alltag zeigt aber ein anderes Bild. Das brachte im Jahr 2013 jungen Neuköllner Juden, Muslime und ihre Freunde dazu, die Salaam-Schalom Initiative zu gründen. Eine Aktivistengruppe, die antimuslimischen Rassismus und Antisemitismus in der Gesellschaft bekämpft, die sich für die Anerkennung unterdrückter Stimmen einsetzt.

Den Workshop halten Iskandar Abdalla und Armin Langer, Mitglieder der Salaam-Schalom Initiative.

Mehr Infos zum Festival: https://www.facebook.com/events/542819725778312/

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , | Kommentar hinterlassen

Betuchte Identitäten in verkannter Freiheit (von Büsra Delikaya)

Dieser Text wurde am 29.08.2015 in der Şehitlik-Moschee anlässlich der „Langen Nacht der Religionen“ von Büsra selbst vorgetragen. Mehr Informationen zum Event findet ihr hier: https://salaamschalom.wordpress.com/2015/08/17/kopftuchperspektiven-aus-islam-und-judentum/. Und Büsras Blog ist hier: https://buesradelikaya.wordpress.com

Es begleitet mich schon seit geraumer, seit wirklich langer Zeit auf meinem bisherigen Weg. Baute manchmal Brücken, manchmal brachte sie diese aber zum Stürzen, ohne es jemals willentlich getan zu haben. Schon seit geraumer, seit wirklich langer Zeit ruht es zwischen meinen monotonen Akten am Morgen, ist so selbstverständlich wie das Zähneputzen und die regen Überlegungen vor dem Klamottenhaufen im Kleiderschrank. Mittlerweile ist es schon ein ziemlich unbewusster Griff zum blauen Nadelkästchen auf der Kommode, eine relativ gängige Bewegung des Umbindens all der Tücher vor dem Wandspiegel. Ja, es ist seit geraumer, seit wirklich langer Zeit omnipräsent, doch fühlt es sich meist wie eine Ewigkeit an. Denn das Tuch auf meinem Kopf setzte sich in alle meine Lebenslagen in die Raster all meines Erlebten, all meines Gefühlten und Gesehenen. Ich trage mein Kopftuch seit ich die siebte Klasse besuche; ich war 13 Jahre alt und erinnere mich noch genau an die immense Spannung, die mich am ersten Tag fast schon erdrückte. Sorgfältig suchte ich mir mein Tuch, das erste vor allen anderen aus, schritt mächtig stolz aus der Tür, das erste Mal ohne den sichtbaren Pferdezopf am Hinterkopf. Es war anders als heute, eine kindliche Freude, unkompliziert und bedenkenlos.

11973810_936669753060198_1214545695_o

Mein Kopftuch war damals unberührt von all dem Hagel an politischen Stigmata, den so manche Zeit provokanten Konfrontationen, aber auch von einer tieferen Auseinandersetzung. Vermutlich weil ich noch zu jung war, um es zu bemerken. Vielleicht aber auch, weil das Kopftuch sich erst in den letzten Jahren von einem einfachen religiösen Zustand zu einem heiklen Debattenthema entwickelte. Doch eine Sache blieb in den sieben Jahren stets unverändert – der Grund des tagtäglichen Verhüllens meiner Haare. Die beständige Liebe zu Gott.

Vor meinem inneren Auge sehe ich schon das erste unverständliche Kopfschütteln, höre die ersten, dies als schwülstig abtuenden Ausrufe. Doch meine Religion war immer eine bedeutende Parallele in meinem Leben, ein wichtiger Anker, der mir in all den Jahren half alles an Positivem in dieser Welt zu sehen und all dies aus meinem eigenen Wesen zu schöpfen. Der Islam war und ist bei mir immerfort ein Kern gewesen, dessen Hülse ich selbst zeichne. Eine feste und vorgezeichnete Richtlinie, die sich durch das Getümmel meiner Tage schlängelt und mir in häufiger Orientierungslosigkeit den Weg zeigt. Trotz dessen war ich es immer, die entschied, wie ich diese Linie ausschmückte, in welcher Form ich sie auf den Pflastern meines Pfades malte.

Und das Kopftuch, es war ein öffentliches und immer dagewesenes Glaubensbekenntnis. Ein Zeichen für die tiefe Verbundenheit zu meiner Religion, die ich auch gerne zeige, aber vordergründig gerne für mich und meine eigene Freiheit trage. Eine Basis, auf der ich so unglaublich viel mehr aufbaue, als geglaubt wird. Und vor allem: So viel Unterschiedliches.

Das größte Missverständnis, das meinem Kopftuch in dem gesellschaftlichen Spektrum zuteilwird, ist wahrscheinlich die Ausblendung der Individualität, die unter ihm schlummert. Oft werden in den hitzigen Diskussionen um seine Relevanz und Bedeutung all jene Köpfe außen vor gelassen, die vor Diversität strotzen. In denen Ideen und Visionen mannigfacher Natur rauchen, die darauf warten dieses Land zu bewegen, es in bester Weise für das Gemeinwohl der Gesellschaft zu prägen. Dass sie das können, darf keine unausgesprochene Zweifelsfrage bleiben, es gilt dies zu einem selbstverständlichen Fakt zu formen.

Die in kunterbunten Tüchern umrahmten Gesichter rotieren schon lange gen Partizipation, weg vom Abgrund lähmender Passivität. Jemand, der seine Ärmel voll gebündeltem Tatendrang hochkrempelt, darf niemals gezwungen werden, sie wieder abgebrannt runterzuziehen und die ungesehene Kompetenz in sich ruhen zu lassen. Vor allem dann nicht, wenn der Grund so banal wie ein Stück aus dünner Baumwolle ist. Und erst recht nicht dann, wenn in die Fasern dieser Tücher zürnend geladene Worte wie Unterdrückung und Unfähigkeit geschrieben werden. Nein, “Kopftuch“ ist kein Begriff, der eine Menge in einem Zug definieren kann, vielmehr ist es etwas, was die Menge an einem Punkt verbindet, diese dann aber weiterzieht, in völlig verschiedene Richtungen. Jedes Mädchen, jede Frau mit einem Kopftuch ist in ihrem Wesen unterschiedlich. Eine Schnittstelle auf einer Palette, Farbkleckse, auf einem gemeinsamen Fundament, in ihren Formen und Tönen aber wieder so verschieden.

Deutschland und vor allem Berlin ist schon lange müde vom negativ konnotierten Denken, denn Berlin ist Multikulti und Berlin lebt von Multikulti. Wenn jeder zehnte herabwürdigend auf mein Tuch schaut, tut es jeder zweite vollkommen unbekümmert. Wenn ich einmal im Monat einen diffamierenden Spruch abfangen muss, darf ich jeden zweiten Tag eine nette Geste in der U­Bahn in Form von Platzmachern oder freundlich zulächelnden Gesichtern erfahren. Meinen deutschen Freunden ist es egal, was ich trage, genauso wie es mir egal ist, was sie nicht tragen. Und nein, mein Kopftuch ist kein Symbol, mein Kopftuch ist Entscheidung und mein Kopftuch ist Freiheit. Es hat sich nie ausgesucht zweckentfremdet, gegen Frieden instrumentalisiert zu werden. Ich bin mir sicher, ja hege keine Zweifel, mein Kopftuch würde, könnte es das, dies ebenfalls bejahen. Es würde mich vermutlich auch daran erinnern, dass bissige Worte und rissige Freundlichkeit an seiner Stofffläche niemals ankrallen, sondern immer abprallen.

Denn es ist stark, mein Kopftuch, und es ist die Inkarnation meiner bewusst gewählten Entscheidung, ihrer gern gelebten Hoheit. Mein Kopftuch ist bescheiden, möchte sich nicht in den Vordergrund rücken und alle Diskurse auf sich ziehen, gleichermaßen ist es aber auch voller Stolz, nimmt Unter­ und Geringschätzungen nicht Leichtens hin. Es ist schlagfertig in seiner Symbolkraft der Eigenheit und doch schlummert es in friedfertiger, fast schon zurückhaltender Harmonie.

Aber klar, wenn dann mal musternde Blicke fallen, ist auch das kein großes Vergehen. Doch Skepsis und Neugierde sind eine Sache, emotionale Bevormundung und das vorrangige Absprechen eigener Meinungen durch überzeugt skandierte Thesen über diese Entscheidung von mir eine völlig andere. Denn fragende Blicke, die vor allem unter sengenden Sonnenstrahlen im August Richtung meines Kopfes haften bleiben und dann hastig abgewendet werden, sobald man diese erwidert, sind nun schon eine langwierige Gewohnheit geworden, über die ich mich nie beklagte. Denn was ist menschlicher, als Unverständnis auf Sachlagen, die einem bisher fremd waren? Vielleicht ja die darauffolgenden Fragen, das einleitende Nachhaken. Jedenfalls wünsche ich mir das immer und immer wieder. Oft bekam ich auf offener Straße oder aber auch in diversen Seminaren und Vorlesungen Fragen bezüglich meines Kopftuches, und oft wurden sie mit zittriger Vorsicht und distanzierter Haltung gefragt. Die Augen musterten mich unbewusst fragend, ob man nun zu weit gegangen wäre, ob das womöglich ein Fauxpas war. Auf derlei Fragen bemühte ich mich immer mit überschwänglicher Offenheit zu antworten, um die extreme Wichtigkeit und eben auch die absolute Richtigkeit der persönlichsten aller Recherchen zu markieren. Bevor ich versuchen muss schwülstig mitleidigen Blicken auszuweichen und über die ewige Leier der ausgeweiteten Repression meiner selbst die Augen zum Himmel rollen zu müssen, erfreue ich mich über ehrliches Interesse von meinen Mitmenschen. Und nicht immer stoße ich im Nachhinein auf Verständnis, die Stirn bleibt bei einigen weiterhin in viele tiefe Falten gerunzelt, Blicke nach wie vor fragend und durchdringend. Denn nicht jeder versteht, was ich da trage und primär weshalb ich es freiwillig und gerne tue. Doch das ist in jedem Fall kein Grund auf solche Fragen nicht mit der gleichen Geduld und Achtsamkeit zu antworten, wie ich es von meinem Gegenüber bezüglich meiner Entscheidung erwarte. Solange ich die Hebel über die Beschreibung meines Lebens in den Händen halte, kann sie keine noch so überzeugte Zwangsfloskel entreißen.

Die Deutungshoheit sollte immer und überall bei denen liegen, die von sich sagen können, das Gesprochene auch als Gelebtes in ihrem Sein zu wahren. Denn ich als Kopftuchträgerin, kann vermutlich klarer, unverfälscht und genuin, über meine Gefühle während des Tragens sprechen. Und je mehr Menschen aus erster Hand von niemand anderen als denjenigen aufgeklärt werden, die sich das Tuch zwischen jedem einzelnen Morgen und Abend umbinden, und dies dann auf respektable Art annehmen und zumindest versuchen Empathie zu bilden, desto mehr kann sich die Kopftuchdebatte nur gen gesellschaftliches Einverständnis bewegen. Denn auch ich bin mir bewusst, es wäre naiv und womöglich auch äußerst töricht zu erwarten, von jedem Einzelnen für mein Kopftuch pure Akzeptanz zu erhalten. Doch Toleranz ist in meinen Augen ein Indiz für Humanität, ein Instrument, das durch all die Debatten und Diskurse brüchig gewordene Brücken erneut restaurieren kann. Und so oft wie möglich versuche ich mich in die Lage anderer, Außenstehender zu versetzen, die nicht den gleichen Glauben wie ich im Innern tragen, nicht dieselben Vorstellungen von Gott besitzen wie ich. So suche ich während des Erklärens nach den plausibelsten und verständlichsten Worten. Das wissentliche Nachempfinden auf beiden Seiten ist unerlässlich für eine friedliche Einheit, die für immer in großen Unterschieden verweilen wird. In diesen Unterschieden eine Bereicherung und keine Separation zu sehen, liegt einzig und allein an uns. Ob nun Muslim oder nicht, Kopftuchträgerin oder nicht. Weil manchmal ist es doch beruhigend, wie gleich wir alle sind, sodass es niemals zu grell scheint, wie anders wir sind, sodass es nie zu grau scheint.

Veröffentlicht unter Uncategorized | 1 Kommentar