Mehr Licht! – Für ein friedliches Zusammenleben in Berlin

Mehr Licht! – Gegen Antisemitismus und Islamfeindlichkeit, für ein friedliches Zusammenleben von Juden, Muslimen und Freunden in Berlin

Hintergrundbild (c) 2011 David Thibault

In den letzten Tagen wurden auf mehreren pro-palästinensischen Demonstrationen antisemitische Parolen gerufen. Diese wiederum werden von Rechtspopulisten missbraucht, um eine islamfeindliche Stimmung zu fördern.

Wir rufen Juden, Muslime und ihre Freunde auf, um gemeinsam ein Zeichen für das friedliche Miteinander in Berlin und der Bundesrepublik zu setzen. Wir dürfen unsere Gemeinschaften von den Hassern nicht spalten lassen.

Wir bitten euch darum, Kerzen und Teeleuchter mitzubringen – auch in der Tradition des Chanukka-Festes und des Advents. Wir treffen uns am 19. Dezember um 19:00 am Platz vor dem Rathaus Neukölln (U7, Rathaus Neukölln).

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Erinnert euch! // Salaam-Schalom @ Kreuzberger CSD

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Armin und Iskandar, Mitglieder der Initiative auf der Kreuzberger CSD-Bühne.

Redebeitrag der Salaam-Schalom Initiative @ Kreuzberger CSD am 27. Juni 2015

Im Judentum gibt es ein religiöses Gebot, das in der Tora niedergeschrieben ist: „Zachor“: Erinnere dich! Es steht in der Tora 36 Mal: „Unterdrücke den Fremden nicht, weil du selbst Fremd in Ägypten warst“. Du erinnerst dich daran, wie fremd zu sein sich anfühlt.

Im arabischen existiert ein Verb mit derselben Wurzel: ذكر. Es kommt im Koran ganz oft vor, immer dann wenn Gott mit den Menschen spricht أفلا تتذكرون  wolltet ihr euch nicht erinnern? nicht bedenken? und an einer anderen Stelle sagt er „Doch erinnern sich nur die Einsichtigen“.

Wir sind heute hier, um das Gebot des Erinnerns zu beleben. Weil wir uns gegen das Vergessen erheben möchten. Hannah Arendt hat mal geschrieben „Die größten Übeltäter sind jene, die sich nicht erinnern, die sich auf das Getane niemals Gedanken verschwendet haben“.

Lasst uns also ein paar Minuten darauf verschwenden und uns ein paar Gedanken machen. Ich fange mit mir selber an. Vor sechs Jahren kam ich nach Deutschland. Ich dachte, die Zeit sei gekommen offen zu meiner sexuellen Identität als schwuler Mann zu stehen. Ich fühlte mich gezwungen meine muslimische und arabische Identität immer wieder neu zu erfinden, mich immer wieder anzupassen. In den Augen vieler Menschen hier stellte ich ein Rätsel dar. Wie kannst man Schwul und Muslim sein? Die Andersartigkeit, das Gefühl anders zu sein selbst innerhalb der queer-community wurde mir erst von Außen auferleget. Ich musste vieles, zu recht oder unrecht, rechtfertigen, ich musste mich vielen Stereotypen und angefertigten Formaten von Muslim- oder Arabisch-Sein anpassen. Es ging so weit, dass mich einmal jemand fragte: „Und wieso bist du eigentlich aktiv? wegen deiner Religion?“.

Man würde denken, dass Antisemitismus keinen Platz unter Schwulen hat. Das ist natürlich falsch. Ich erinnere mich noch gut an ein Date: Wir saßen in einem netten Kaffe, führten seit zehn Minuten ein ziemlich angenehmes und ruhiges Gespräch, als ich in einem Nebensatz erwähnte, dass ich übrigens jüdisch bin. Plötzlich veränderte sich das Gesicht des jungen Mannes gegenüber. Er stand auf, rief noch „verfickter Jude“ bevor er verschwand. Ich war also gezwungen, für seinen Latte Macchiato zu bezahlen. Juden und Schwule wurden im christlichen Abendland jahrhundertelang gleichermaßen verfolgt. Statt Feindschaft sollten wir ein Bündnis eingehen.

Wir sollen uns hier an die Zeiten als die Queer-Identitäten in den westlichen Gesellschaften und natürlich hier zu Lande aggressiv verfolgt wurden, erinnern. Es waren Jahrhunderte von Diskriminierung, Verfolgung und institutioneller Gewalt. Es ist wahr, dass lesbische und schwule Identitäten heute noch in vielen Teilen der Welt verfolgt werden, und um ihr Leben fürchten müssen, und dass es uns hier, trotz bestehender Probleme, expliziten und latenten Varianten der Diskriminierung, im Vergleich relativ gut geht. Aber eben deswegen sollen wir uns an diese hasserfüllte Geschichte erinnern, die auch hier zulande, bis auf die letzten Jahrzehnten eine Rolle gespielt hat.

Wir, die queer-Community, haben mit den Schwachen und Unterdrückten der Welt etwas Gemeinsames. Wir teilen mit denen zusammen dieselbe Vergangenheit des Ausschlusses, der Ablehnung und Anfeindung der mächtigen Mehrheiten, die sich mit dem Anspruch einer imaginären „Normalität“ erlaubt haben uns als abfällige „Parallele“ Gesellschaft zu brandmarken.

Dass es uns hier heute gut geht, ist kein Grund die Fronten zu wechseln. Von der Gemeinschaft der Unterdrückten rüber zur Seite der Unterdrücker zu gehen, misstrauisch und herabwürdigend auf andere marginalisierte Identitäten zu schauen. Im Gegenteil. Es ist ein Grund zur Selbstreflexion. Zur kritischen Auseinandersetzung mit Rassismus, Diskriminierung, Antisemitismus und antimuslimischen Rassismus und zwar innerhalb der Queer-Community. Und genauso wie der alternative CSD hier ein Zeichen gegen Kapitalismus und Konsumismus, gegen mercantilization of the queer case setzt, wollen wir heute ein Zeichen gegen die Gefahr der politischen Instrumentalisierung der Queer-Community setzten. Selbst wenn es um Homophobie geht, dürfen wir uns der Gefahr der Instrumentalisierung nicht aussetzten lassen. Homophobie ist zwar zu bekämpfen, aber sie darf nicht von ihren sozialen und ökonomischen Zusammenhängen getrennt und eindimensional betrachtet werden. In der Bekämpfung der Homophobie, sollen wir sie im Kontext der ungerechten Machtverhältnisse, die sie erzeugt, einbetten.

Wir möchten zur Solidarität aufrufen. Nicht nur mit anderen Queer-Identitäten in anderen Teilen der Welt, in der gleichgeschlechtliche Liebe als ein Verbrechen gilt, sondern vor allem mit allen Unterdrückten, mit allen Marginalisierten und allen ungehörten Stimmen. Es geht uns besser, aber die Jahrhunderte der Unterdrückung wollen wir nicht vergessen. Wir wollen etwas daraus lernen. Und wir wollen diese Lehre auf andere Diskriminierungsformen und rassistischen Erscheinungen übertragen. Nicht nur die Homo-Ehe ist eine queer-issue, für das wir kämpfen müssen. Antisemitismus ist eine queer-issue, für das wir kämpfen müssen. Antimuslimischer Rassismus ist auch eine queer-issue. Das Leiden der geflüchteten und Asylsuchende ist eine queer-issue.

Erinnert euch, wie es sich anfühlte, unterdrückt zu sein – und tut etwas für die Unterdrückten von heute!

 

Salaam-Schalom bei #NoPegida

Wir, Muslime, Juden, Gläubige, nicht-Gläubige haben nun eine große Sorge. Die Sorge, dass die Islam- und Fremdenfeindlichkeit in unserer Gesellschaft steigt. Das verstehen und denken schon viele. Aber noch wichtiger ist zu bemerken, dass sich Muslime, Juden und andere betroffene Minderheiten zurückziehen als Reaktion auf diese feindliche Atmosphäre. Der Dialog wird unterbrochen. Zwischenmenschliches und Interkulturelles Verständnis vermindert sich. Diese Verfremdung erhöht Angst und Sorge. Und, es ist genau diese Angst vor dem Unbekannten, die Hass verursacht.

Dagegen arbeiten viele Gruppen wie z.B. unsere SalaamSchalom Initiative oder schon lange Jahre, die Şehitlik Moschee in Neukölln. Mit Interkulturellem Dialog und viele ähnlichen Projekte versuchen wir “Brücken anstatt Mauern” zu bauen. Über 130 Jahre Geschichte hat der Islamischer Friedhof und jährlich kommen 30.000 Besucher, die ehrenamtlich durch die Moschee geführt werden. Bei einem türkischen Tee kann man über Religion, Gott und die Welt aber auch über Ängste, Sorgen und Vorurteile sprechen.

Die Pegida und solche ähnliche Bewegungen versuchen ihren Hass zu Verbergen. Angeblich hätten die nur Sorgen. Man fürchtet sich vor Terrorismus und Extremismus. Glauben Sie mir, das Wissen wir, die Minderheiten schon gut.

Also frage ich jetzt diese Menschen, können wir nicht zusammen über unsere Sorgen sprechen, gemeinsam die Probleme anpacken und miteinander glücklich werden? Ich lebe seit ein paar Jahren in Deutschland und das schönste hier ist die Vielfalt und Offenheit. Es ist eine Bereicherung so viele unterschiedliche Kulturen, Ethnien, Religionen, Lebensformen kennenlernen zu dürfen. Das darf uns nicht fehlen.

Also wir, Juden, Muslime, Alt- und Neuzuwanderer, Bio- und Wahldeutsche, wir sind das Volk. Wir sind hier. Wir bleiben hier. Und das ist gut so!

(Seit vier Wochen reden wir jeden Montag gemeinsam mit anderen Initiativen aus Berlin gegen den Hass von Pegida und Co. an. Diesen Redebeitrag hat unser Mitglied Deniz Mert Mercan am 19. Januar 2015 bei der #NoPegida-Kundgebung in Berlin gehalten.)

5.1. #NoRacism #NoBärgida

Komm mit uns auf die Straße!

Gemeinsam gegen rassistische Hetze und soziale Ausgrenzung auf die Straße!

**english below**

Auftakt 17.00 Uhr Klosterstaße/Ecke Stralauer Str.

‪#‎NoPegida‬ ‪#‎NoBergida‬ ‪#‎NoBärgida‬ ‪#‎NoRacism‬

Der „Patrioten e.V.“ versucht mit einer Demonstration am 05. Januar in Berlin einen “Pegida”-Ableger unter dem Namen „Bärgida“ zu etablieren. Hinter dem “Patrioten e.V.” stecken das rechte bis völkisch-nationalistische Umfeld von Gruppen wie “German Defence League”, “Pro Deutschland”, “Die Freiheit”, aber auch sogenannte „Identitäre“ und Sympathisant_innen von AfD und NPD.
Als verängstigte Bürger_innen verharmloste Nazis und Rassist_innen mobilisieren seit Wochen zu Aufmärschen, die sich hauptsächlich gegen Geflüchtete und Muslime_a richten. Ängste vor dem Verlust von Privilegien und des eigenen sozialen Status werden geschürt, Sündenböcke erfunden und Betroffene gegeneinander ausgespielt.

Politiker_innen aus Bundes- und Landesregierungen verbergen mit zaghaften Abgrenzungen von Pegida ihre eigene Verantwortung für die rassistischen Mobilisierungen. Diskriminierende Debatten über einen angeblichen “Asylmissbrauch” dienen ihnen im politischen Tagesgeschehen als Rechtfertigung für Sanktionen, Verschärfungen des Asylrechts und die Ausgrenzung von Menschen. Die Argumentationsmuster und Vorgehensweisen ähneln dabei der “Das Boot ist voll”-Rhethorik Anfang der 1990er Jahre.
Heute nehmen rassistische Angriffe europaweit zu. Ziel sind oft Geflüchtete und ihre Unterkünfte, Moscheen, Muslime_a, Rom_nija und Schwarze Menschen. Diese erschreckenden Entwicklungen nehmen wir zum Anlass, uns jeder Form von Rassismus noch entschlossener entgegenzustellen. Wir sagen: Rassismus blockieren ist unser Recht! Wir verhandeln und verharmlosen nicht, wir ergreifen die Initiative!

Der Widerstand wächst bereits: Bonn, Kassel, Dresden, München – mittlerweile stellen sich zehntausende den rassistischen Aufmärschen in den Weg. Wir rufen alle Berliner_innen dazu auf, sich den rechten, nationalistischen und rassistischen Gruppierungen ebenso in den Weg zu stellen! Pegida, Bärgida, egal unter welchem Namen, wir werden den organisierten Rassismus stoppen, in Berlin und anderswo!
Die Kämpfe gegen Rassismus und vor allem die Forderungen der erstarkenden Bewegungen von Geflüchteten zeigen die Richtung an, in die unsere Gesellschaft verändert werden muss. Stellen wir uns den Rassist_innen am 05. Januar entgegen!
Machen wir deutlich, wie vielfältig und stark unsere Solidarität ist!

Bündnis gegen Rassismus

Erstunterzeichner_innen:
Afrika-Rat Berlin Brandenburg
Allmende e.V.
AFROTAK TV cyberNomads
Antifaschistische Linke Jugend (alj)
Andere Zustände Ermöglichen
Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der AntifaschistInnen
Bündnis Neukölln – Miteinander für Demokratie, Respekt und Vielfalt
Bündnis Zwangsräumung Verhindern
Büro Eta Boeklund, Dr. Angela Dreßler
FelS-Berlin (organisiert in der IL)
Kampagne Zusammen handeln – gegen rassistische Hetze und soziale Ausgrenzung
Initiative Grenzen_weg! der Alice-Salomon-Hochschule Berlin
IniRromnja
ISD Bund e.V. Initiative Schwarze Menschen in Deutschland
Museum des Kapitalismus
NaturFreunde Berlin
Salaam-Schalom Initiative
ver.di Bezirk Berlin

Unterstützer_innen:
BO Gesundbrunnen
Jusos Berlin
Landesarbeitsgemeinschaft Antifaschismus DIE LINKE Berlin
Die Linke. Berlin

++++

Jan. 5th: Demo – United against racist propaganda and social exclusion!

5pm Klosterstraße/Stralauer Str.

#NoPegida #NoBergida #NoBärgida #NoRacism

The “Patrioten e.V.” is trying to establish a branch of “Pegida” under the name “Bärgida” through a demonstration in Berlin on January 5th. At the bottom of the “Patrioten e.V.” is the right-wing and folkish-nationalist surrounding of groups such as “German Defence League”, “Pro Deutschland”, “Die Freiheit”, but also socalled “Identitäre” and symapthizers of AfD and NPD.
Trivialized as scared citizens, Nazis and racists have been mobilizing for demonstrations against refugees and muslims for weeks. Fears of losing privileges and the own social status are being stoked, scapegoats invented and the ones concerned are played off against each other.

Politicians from national and federal governments hide their own responsibilty for the racist mobilization through tentative dissociation from Pegida. Discriminating debates about alleged “asylum abuse” are serving as a legitimization for sanctions, aggravation of asylum laws and exclusion of people in daily political practice. The pattern of argumentation and the course of action thereby resemble the “The boat is full”-rhetoric in the early 1990s.

Racist attacks are increasing europe-wide these days. Often refugees and their accomodation, mosques, Muslims, Rom_nija and Black people are targeted. We take this shocking development as a cause to make an even stronger stand against any form of racism. We say: Blocking racism is our right! We do neither negotiate nor trivialize, we take the initiative!

The resistance is already growing: Bonn, Kassel, Dresden, Munich – by now, tens of thousands are opposing the racist demonstrations. We call all people in Berlin to also take a stand against right, nationalist and racist groups! Pegida, Bärgida, no matter under what name, we will stop organized racism, in Berlin and elsewhere!
The fight against racism and especially the demands of the increasingly strong movement of refugees show the direction to which our society must be changed. Let’s rise against the racists on Jan. 5th! We will make clear how diverse and strong our solidarity is!