Wie koscher sind Muslime? (Teil 2)

cropped-img_3214
Die Fraenkelufer-Synagoge. Foto (c) fraenkelufer.wordpress.com

Die Kreuzberger und Neuköllner Juden kennen das Gefühl, in der Nähe von Moscheen zu leben. Sie sind im alltäglichen Kontakt mit ihren muslimischen Nachbarn, Kollegen und Kommillitionen. In der Workshop-Reihe „Wie koscher sind Muslime?“ wird besprochen, wie der jüdisch-muslimische Austausch gestaltet werden kann.

In unserer ersten Sitzung haben wir den Status von Moscheen im jüdischen Kontext geprüft. Darauf folgte ein Workshop mit dem Titel „Wie halal sind Juden?“ in der Sehitlik-Moschee.

Jetzt stellen wir die Frage: Ist Allah und der Ewige dasselbe „Wesen“? Kann ein frommer Jude „inschalla“ sagen? Dürfen wir die Speisen genießen, vor deren Vorbereitung „Bismilla“ gesagt wurde? Anhand von post-talmudischen Quellen werden wir versuchen, diese und weitere Fragen zu beantworten.

Die Synagoge am Fraenkelufer lädt gemeinsam mit der Salaam-Schalom Initiative alle Interessierten – Juden, Muslime und ihre Freunde – zu dem Workshop ein, der von Armin Langer Student der jüdischen Theologie und Koordinator der Salaam-Schalom Initiative, geleitet wird.

Ort: Fraenkelufer-Synagoge (Berlin, Fraenkelufer 10)
Zeitpunkt: 27.5.2015, 19:00

Werbeanzeigen

Studie: Gibt es in Deutschland eine neue Welle von Antisemitismus?

Gibt es in Deutschland eine neue Welle von Antisemitismus? Nein, sagt eine aktuelle Studie vom Berliner Forum für Gewaltprävention. Allerdings beschreibt die Studie einen sich radikalisierenden kulturrassistischen Diskurs, dem jüdische und muslimische Bürger in Deutschland ausgesetzt sind. Dies gilt es, mit allen Mitteln auf allen Ebenen der Gesellschaft zu bekämpfen.

Die Salaam-Schalom Initiative weist als Teil des interkulturellen jüdisch-muslimischen Dialogs in Deutschland die teils polemische Kritik vom American Jewish Comittee an der Studie zurück. Die Salaam-Shalom Initiative unterstützt die Differenzierung zwischen den verschiedenen Erscheinungsformen von Antisemitismus, wie sie seitens der Autoren der Studie unternommen wird. Wir widersetzen uns dem fortwährenden „Abschieben“ von Antisemitismus auf Muslime im Allgemeinen und anti-israelische Proteste im Speziellen.  

Pressemitteilung der Salaam-Shalom Initiative zu der Studie „Antisemitismus als Problem und Symbol – Phänomene und Interventionen in Berlin“ von Michael Kohlstruck und Peter Ullrich, unter der Mitarbeit von Franziska Paul und Jakob Quentin (Berliner Forum Gewaltprävention Nr. 52, 2014)

Im Januar 2015 veröffentlichen M. Kohlstruck und P. Ullrich (Zentrum für Antisemitismusforschung, Technische Universität Berlin) die Studie „Antisemitismus als Problem und Symbol – Phänomene und Interventionen in Berlin“. Herausgegeben und in Auftrag gegeben wurde die Studie von der Landeskommission Berlin gegen Gewalt der Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport. Die Studie soll die Erscheinungsformen des Antisemitismus in Berlin für die Jahre 2010 bis 2013 darstellen, deren Ursachen erforschen und Leitlinien für seine Bekämpfung umreissen.

Das wohl bedeutenste und gleichwohl umstrittenste Ergebnis der Studie, ist, dass sie im Gegensatz zur medial verbreiteten “neuen antisemitischen Welle”, ausgehend vor allem von Jugendlichen mit Migrationshintergrund, keinen Anstieg von Antisemitismus feststellt. Im Bereich der polizeilich erfassten Straftaten geht die Großzahl antisemitisch motivierter Delikte von Rechtsextremen aus. Kohlstruck und Ullrich gehen differenziert auf die unterschiedlichen (und teils problematischen) Erfassungsmethoden und deren Antisemitismusdefinitionen ein: Antisemitische Ideologien, Gewaltdelikte, Äußerungen und Argumentationsmuster werden im Zusammenhang ihres jeweiligen sozio-politischen und historischen Kontextes analysiert.

Im Anschluss an die Veröffentlichung der Studie äußerte das American Jewish Committee scharfe Kritik an der Studie. Die Wissenschaftler nähmen die Ängsten und Sorgen von Juden in Deutschland nicht ernst, und räumten diesen keine ausreichende Bedeutung ein, so die Pressemitteilung des AJC. Anstatt Antisemitismus „zu benennen und zu bekämpfen“, verfange sich die Studie in einer Analyse und „Wegerklärung“ des Phänomens. Zudem, legitimiere die Studie Antisemitismus, wenn sie Feindschaft gegenüber Juden unter Palästinensern beispielsweise auf deren unmittelbare Betroffenheit im Nahostkonflikt zurückführe.

Die Salaam-Shalom Initiative unterstützt die Herangehensweise und Ergebnisse der Studie, und distanziert sich hiermit von der seitens dieser Institutionen geäußerten Kritik.

Des Weiteren unterstützt die Salaam-Shalom Initiative die Differenzierung zwischen den verschiedenen Erscheinungsformen von Antisemitismus, wie sie seitens der Autoren der Studie unternommen wird. Der Antisemitismus einer christlich sozialisierten, deutschen Mehrheitsgesellschaft ist in politischer, soziologischer und historischer Hinsicht grundsätzlich von antisemitischen Elementen in der Kritik an der israelischen Politik zu unterscheiden. Prinzipiell  denken wir nicht, dass der Hinweis z.B. auf die persönliche, unmittelbare Betroffenheit von hier lebenden Palästinensern Antisemitismus legitimiert, sondern im Gegenteil den fundamentalen Unterschied zwischen kulturrassistischem Antisemitismus und politisch motivierter Kritik an der israelischen Politik herausstellt: Während außer Frage steht, dass antisemitische Motive in letztere Kritik Einzug halten, so können wir, als jüdische Mitglieder der  der Salaam-Shalom Initiative, diese Motive nicht zum Anlass nehmen, palästinensische Kritik pauschal zu de-legitimieren: Wir müssen uns mit der Tatsache auseinandersetzen, dass die palästinensische Zivilbevölkerung für die vermeintliche Sicherheit des jüdischen Staates einen immensen Preis zahlte und weiterhin zahlt. Das Anerkennen der persönlichen Betroffenheit von Palästinensern in Bezug auf den Konflikt legitimiert dementsprechend keinen Antisemitismus, sondern ist eine fundamentale Voraussetzung für den Dialog und das Zusammenleben in Berlin.

Die Salaam-Shalom Initiative widersetzt sich dem fortwährenden „Abschieben“ von Antisemitsmus auf Muslime im allgemeinen und anti-israelische Proteste im Speziellen. Zum einen verhindert diese medial und politisch immer wieder wirksam in Szene gesetzte Strategie die Auseinandersetzung der deutschen Mehrheitsbevölkerung mit den eigenen, verinnerlichten und oft unbewusst reproduzierten antisemitischen Argumenten und Motiven. Zum anderen dient diese Strategie der Konstruktion eines fundamentalen Gegensatzes zwischen der jüdischen und der muslimischen Gemeinde: Obgleich eine politische Kooperation der Gemeinden beide Seiten stärken könnte, werden sie gegeneinander aufgehetzt: durch die exklusive Verortung von Antisemitismus in der muslimischen Gemeinde werden Juden zu einem Mittel, mit Hilfe dessen die deutsche Mehrheitsgesellschaft sich von dem eigenen anti-muslimischem Rassismus und Antisemitismus „befreit“.

Das Thema „Antisemitismus in der muslimischen Gemeinde“ wird damit per se in einen kulturassistischen Kontext gestellt: Muslime müssen „von uns“, Deutschen und Juden, erzogen werden. Eine Bekämpfung von Antisemitismus sowohl in der deutschen Mehrheitsgesellschaft, als auch in der muslimischen Gemeinde, wird damit erschwert. Der Kampf gegen den Antisemitismus, wie er von den besagten Organisationen und Institutionen entworfen wird, gefährdet das bereits herrschende Miteinander in Deutschland lebender jüdischer und muslimischer Bürger.

Wie wird Antisemitismus (nicht) instrumentalisiert?

antiseminstru3

Der israelischstämmige Shahak Shapira wurde in der Neujahrsnacht in Berlin von mutmaßlich arabisch- oder türkischstämmigen Jugendlichen angegriffen. Direkt danach erhob er seine Stimme, zuerst auf seinem Facebook-Account, später auch in der Presse: Er wolle nicht, dass dieser klar antisemitische Vorfall instrumentalisiert wird, um Islam- und Fremdenfeindlichkeit zu rechtfertigen.

Moment mal: Antisemitismus kann benutzt werden, um gegen andere Minderheiten zu hetzen?
Was sind die Formen und Funktionen von Antisemitismus als potentielle Muslimhetze? In welchem Spannungsfeld steht Antisemitismus wenn es um muslimische Minderheiten in Berlin geht?

Um diese und weitere Fragen zu beleuchten lädt die Salaam-Schalom Initiative zusammen mit der Neuköllner Bürgerstiftung am 13. Januar, um 18:00 zu einer offenen Gesprächsrunde mit Shahak Shapira, dem Betroffenen (Artdirector), Sultan Doughan, Kulturanthropologin (UC Berkeley) und Hannah Tzuberi, wissenschaftliche Mitarbeiterin (Institut für Judaistik, FU Berlin)

Ort: Neuköllner Leuchtturm (Emser Straße 117, 12051 Berlin)

Workshop: Wie halal sind Juden?

halal2

Muslime und Juden leben neben- und miteinander in Neukölln, wir sind im alltäglichen Kontakt mit unseren Nachbarn, Kollegen und Kommilitonen mit den unterschiedlichsten Hintergründen.

Ende Oktober luden wir in die Fraenkelufer Synagoge ein, wo wir unter dem Titel: „Wie koscher sind Muslime?„, den Status der Muslime und der Moscheen im jüdischen Kontext prüften. Anhand traditioneller jüdischer Quellen kamen wir zu dem Ergebnis, dass es aus einer jüdischen Perspektive für einen Muslimen sogar einfacher ist, einen Platz in der kommenden Welt zu haben, als für einen Juden.

Was ist aber die Stellung eines Juden in einem muslimischen Kontext? Darf ein Muslim in eine Synagoge gehen? Können Muslime und Juden zusammen beten?

Diese weitere Fragen besprechen wir gemeinsam. Das Treffen findet am 4. Januar um 17:30 Uhr in der Sehitlik Moschee (Columbiadamm 128) statt.
Vorher wird auch eine „Moscheeführung“ angeboten. Dazu treffen wir uns mit allen Interessierten um 16:15 Uhr im Obergeschoss der Moschee.

Der Workshop wird von der Juristin und Aktivistin Betül Ulusoy geleitet.

Zwischen Antisemitismus und Antimuslimismus

podiumsgespraech

„Hamas, Hamas, Juden ins Gas!“ – riefen Demonstranten auf pro-palästinensischen Kundgebungen im Juli 2014. Kurz darauf schrieben Zeitungen über „importierten Antisemitismus“ und darüber, dass die Nazis von heute nicht mehr „Heil Hitler“ rufen, sondern „Allahu akbar“.

Wir hören und lesen regelmäßig über Antisemitismus unter Muslimen in Deutschland – obgleich über 90% der antisemitischen Straftaten von deutschen Mehrheitsangehörigen begangen werden. Nach den pro-palästinensischen Kundgebungen meinten einige gar, dass es eine „Lawine von Antisemitismus“ in Deutschland gäbe; andere nennen das Jahr 2014 die „schlimmste Zeit seit dem Holocaust“.

Was ist hier los? Ist Antisemitismus unter Muslimen mit familiären Bezügen zum Nahen Osten tatsächlich weiter verbreitet, als unter anderen religiös-kulturellen Gruppen in Deutschland? Oder liefern uns deutsche Medien einen unguten Cocktail aus routiniertem Muslim-Bashing und spontanem Philosemitismus, um sich aus der historischen Verantwortung für die Shoa zu stehlen?

Diese und weitere Fragen werden bei dem Podiumsgespräch der Salaam-Schalom Initiative am 11. November um 18:00 in der Werkstatt der Kulturen (Wissmanstr. 32, 12049 Berlin-Neukölln) im Rahmen der Aktionswochen gegen Antisemitismus 2014 diskutiert.

Gäste:

  • Tarek Bärliner, Journalist der Islamischen Zeitung
  • Dekel Peretz, Historiker, Programmorganisator der Synagoge Fraenkelufer
  • Dr. Juliane Wetzel, Antisemitismusforscherin am Zentrum für Antisemitismusforschung, Technische Universität Berlin

Moderator:

  • Mekonnen Mesghena, Leiter des Bereiches Migration und Diversity in der Heinrich-Böll-Stiftung

Mehr Infos über die Teilnehmenden: https://salaamschalom.wordpress.com/2014/11/06/zwischen-antisemitismus-und-antimuslimismus-die-teilnehmenden/

Was Du schon immer fragen wolltest, Dich aber nie getraut hast, zu fragen

fragen

Ein Jude, ein Christ, ein Muslim und ein Atheist sitzen in der Mitte eines Raumes.

So könnte auch ein guter Witz anfangen, an diesem Abend steckt aber mehr dahinter: Die Salaam-Schalom-Initiative lädt zur ersten inter- und außerreligiösen Soirée ein! Lasst uns über unsere (Nicht-)Glauben sprechen. Diese vier Menschen im Raum warten nur darauf, dass Du ihnen die Fragen stellt, die Du schon immer fragen wolltest.

Tut die Beschneidung weh? Was haben diese Speisegesetze mit Religion zu tun? Schminkt man sich unter einem Ganzkörperschleier? Versteht der Beter den Text, den er betet? Würde heute Jesus in die Kirche eintreten? Ist Atheismus keine Religion?

Neugierig? Noch weitere Fragen? Komm am 27. Oktober um 19:00 Uhr zur inter- und außerreligiösen Soirée der Salaam-Schalom Initiative ins Gemeinschaftshaus Morus 14 (Morusstr. 14, Berlin-Neukölln, U7: Karl-Marx-Straße, U8: Boddinstraße, Bus: 104).

Workshop: Was kann Mosche in der Moschee tun?

Wie koscher sind Muslime? (Veranstaltungsreihe)

Workshop: Was kann Mosche in der Moschee tun?

Wir, Kreuzberger und Neuköllner Juden, kennen das Gefühl, in der Nähe von Moscheen unser Leben zu führen. Wir sind im alltäglichen Kontakt mit unseren muslimischen Nachbarn, Kollegen und Kommillitionen. In der geplanten Workshop-Reihe werden wir besprechen, wie der jüdisch-muslimische Austausch gestaltet werden kann.
In unserer ersten Sitzung werden wir den Status der Moscheen im jüdischen Kontext prüfen: Kann zum Beispiel ein frommer Jude überhaupt in eine Moschee gehen? Kann er an einem muslimischen Gottesdienst teilnehmen? Kann er mit Muslimen zusammen beten? Anhand von post-talmudischen Quellen werden wir versuchen, diese und weitere Fragen zu beantworten.

Die Synagoge Fraenkelufer lädt gemeinsam mit der Salaam-Schalom Initiative alle Interessierten – Juden, Muslime und ihre Freunde – zu einer Workshop-Reihe ein, die von Armin Langer, Student der jüdischen Theologie und Koordinator der Salaam-Schalom Initiative, geleitet wird.

Das erste Treffen findet am 25. Oktober um ca. 12:00 im Anschluss an den Gottendienst in der Synagoge Fraenkelufer in Kreuzberg statt.