Wir sind nicht Charlie Hebdo / We are not Charlie Hebdo

(The English translation of the statement follows below.)

Im Nachspiel der Tragödie und des Entsetzens über die Charlie Hebdo Morde, und der Diskussionen, die diese losgestoßen haben, beobachten wir eine Eskalation des Hasses auf Muslime und Migranten. Die Auswirkungen der Diskurse, in deren Fokus ein vereinfachter Gegensatz von “Islam kontra Freiheit” steht, haben globale, nationale und lokale Konsequenzen, und berühren unausweichlich das Leben und die Sicherheit derjenigen, die unter uns in Berlin leben.

Wir glauben fest an das Recht auf freie Meinungsäußerung, und daran, dass auf Grund der Aussage konträrer Meinungen niemandem jemals das Leben genommen werden darf.  Gleichzeitig lehnen wir die Instrumentalisierung des Angriffes auf Charlie Hebdo, die weiteren Hass gegen Muslime und Migranten schürt, durch jedwede politische Partei oder Medieneinrichtung ab. Die brutalen Morde von Paris bringen uns nicht von unserer ethischen und politischen Überzeugung ab, dass das erneute Publizieren rassistischer Komiks über diejenigen, die in unserer Gesellschaft marginalisiert und unterdrückt werden, falsch ist. Derartige Reaktionen führen zu zunehmender Feindlichkeit, Diskriminierung, Entfremdung, Unterdrückung, zu Gewalt und Hass gegen die in Deutschland lebenden Muslime und Migranten.

Das erste Mal seit Ende des Zweiten Weltkrieges wird in unserer Gesellschaft der Hass auf eine religiöse Gruppe offen akzeptiert. Als Juden, Muslime und Christen, als säkulare Menschen, und als Menschen unterschiedlicher Herkunft, stehen wir solidarisch zusammen, gegen Rassismus, Marginalisierung, Vorurteile und Hass, gegen die Dämonisierung des Islams und der Muslime. Wir sind nicht Charlie Hebdo.

In the aftermath of the tragedy and horror of the Charlie Hebdo murders and the discussions that have been triggered, we observe an escalation of hatred towards Muslims and migrants. The repercussions of discourses focusing on simplistic binaries of Islam vs. freedom have global, national and local consequences, and therefore inevitably affect the life and security of people living among our midst in Berlin.

We firmly believe in the right to free speech and that no one should ever be deprived of their right to life for expressing disagreeable views. However,  we reject the instrumentalization of the Charlie Hebdo attacks by any political force or the media to further incite hatred against Muslims and migrants. The brutal murders in Paris do not suspend our political and ethical belief that republishing racist cartoons of those already oppressed and marginalized in our society is wrong. Such reactions lead to increased hostility, discrimination, alienation, oppression, violence and hatred against Muslims and migrants living in Germany.

It is the first time since WWII that hatred against a religious group is openly accepted in our society. We as Jews, Muslims, Christians, seculars and people of various origins and beliefs stand in solidarity and resistance against racism, marginalization, prejudices, hatred and the demonization of Islam and Muslims. We are not Charlie Hebdo.

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#YallaCSU!

Laut CSU sollen Familien ausschließlich auf Deutsch sprechen. Doch die Politik geht es nichts an, welche Sprache jeder Mensch in den eigenen vier Wänden spricht: Wenn du das auch so siehst, sag der CSU deine Meinung in deiner Muttersprache bzw. einer anderen Sprache, verwende dafür auf twitter oder auf Facebook den Hashtag #YallaCSU!

Sind Kreuzberg und Neukölln antisemitisch? Juden erzählen

Ein Mann fährt kurz durch Kreuzberg und Neukölln mit einer israelischen Fahne am Auto, wird beschimpft, beschwert sich danach in den Medien über den „Antisemitismus“ der Migranten, und fragt sich, was die Juden und Israelis machen können, die „täglich an Leib und Leben Bedrohten„?

Wir haben (kultur-)jüdische und israelische Mitglieder und Unterstützer unserer Initiative, die in diesen Bezirken leb(t)en, nach ihrer Meinung zu dieser Geschichte gefragt. (Achtung: die hier dargestellten Meinungen sind die persönlichen Meinungen.)

Weitere Statements folgen noch.
Hast du auch eine Meinung zu dieser Geschichte?
Schreib uns!


 

„Eine wichtige Klarstellung: Die israelische Flagge ist ein israelisches Nationalsymbol, also das Symbol eines recht jungen Nationalstaats. Solidarität mit „Juden“ kann man durchaus auch ausdrücken, ohne sich damit zu schmücken – und viele Juden tun sich sehr schwer damit, eine vernünftige jüdische Identität zu entwickeln, die sich nicht nur auf den „jüdischen Staat“ stützt. Andernfalls besteht diese im besten Fall in einer naiven Solidaritätsbekundung für Israel, und einer bedingungslosen Unterstützung seiner Politik, im schlimmsten Fall wird die jüdische Identität und Geschichte auf schädliche Weise ausgenutzt, um eine bereits marginalisierte muslimische / arabische Minderheit immer weiter zu provozieren und zu dämonisieren.“

Gershom (Student der Psychologie)

„Ich als Jüdin und als hebräische Muttersprachlerin fühle mich immer am wohlsten, wenn ich in Nekölln und Kreuzberg bin. Als Einwanderer aus dem Nahen Osten sind genau das die Gegende, wo ich mich am meisten zu Hause fühle.“

Adi Liraz (Künstlerin)

 

„Herr Andrew Walde sollte sich selbst fragen, was sein Motiv war. Wollte er den Einwohnern Neuköllns die Möglichkeit geben, sich von ihrer besten Seite zu zeigen? Wenn er diese Frage ehrlich beantwortet, wird er feststellen, dass er an dem, was passiert ist, seinen Anteil hat. Dass er hier nicht passives Opfer, sondern auch Akteur ist. Ich habe zum Glück als Deutsche und Israelin nie schlechte Erfahrungen in Neukölln gemacht. Im Gegenteil, gehe ich mit meinem Davidstern in ein arabisches Restaurant oder zum Friseur, bekomme ich sogar manchmal etwas geschenkt – um zu zeigen, dass nicht wir normale Menschen miteinander verfeindet sind, sondern dass es die Politiker sind, die diesen Konflikt anfachen – so wird es mir dann versichert.“

Rebecca Niazi-Shahabi (Schriftstellerin)

 

„In einer Zeit, in der der Staat Israel den Tod von fast 2000 Palästinensern verursacht hat, mit einer israelischen Fahne zu winken, ist eine stumpfe politische Aktion. Gegen diese Geste zu protestieren, ist keine antisemitische Tat. Ich bin ein Israeli und ich unterstütze das Recht gegen diese Aktion zu protestieren – ich würde es auch tun -, ohne gleich als Antisemit zu gelten.“

Uri Keller (Student der Wirtschaftswissenschaft)

„Wenn Sie als Nicht-Israeli und Nicht-Jude mit einer Israelfahne am Auto durch die Gegend fahren, nehmen Sie eine Identität an, die nicht die Ihre ist, und die am Ende nur einen Schluss zulässt: Sie möchten auf der Seite der Opfer stehen, derjenigen, die in der deutschen Geschichte die Opfer waren. Nur die Toten sind vollkommen frei von Schuld, könnte man vielleicht denken. Glauben Sie mir: Ein großer Teil derjenigen, deren Anwalt Sie gern sein möchten, fürchtet den blinden deutschen Philosemitismus, den sauber gewaschenen Bruder des alten Antisemitismus, mehr als die Wut auf Israel und den viel beschworenen und diskutierten muslimischen neuen Antisemitismus. Deutschland kann diese Last nicht einfach an seine Migranten abgeben und sich selbst dadurch reinwaschen. Verantwortung sieht anders aus.“

Alice M. (Übersetzerin)

„Der Autor dieses Berichtes ist entweder sehr naiv oder ein Provokateur. Mit einer israelischen Fahne in Nord-Neukölln herumzufahren, wo tausende Palästinenser leben, die ihre Heimat wegen der israelischen Besatzung verlassen mussten, ist eine Provokation. Er macht das sogar zu einer Zeit, in der die israelische Armee täglich Hunderte von palästinensischen Zivilisten umbringt. Er meint, dass er ein Zeichen gegen Antisemitismus setzt – diese Absicht ist nett, aber er benutzt ein Symbol des Staates Israel, und nicht des Judentums.“

Armin Langer (Rabbinerstudent)

„Wenn Sie Ihren Respekt, Ihre Zuneigung für die Juden zum Ausdruck bringen möchten, dann wäre es ein Anfang, mit den Kindern in der jüdischen Gemeinde zu arbeiten. Wenn Sie bemerken, dass es in Berlin einen Konflikt zwischen Muslimen und Juden gibt, gehen Sie doch besser zu arabischen oder türkischen Kindern, geben Sie ihnen Unterricht, spielen Sie mit ihnen, verbringen Sie dort Zeit. Aber diagnostizieren Sie nicht einfach „Antisemitismus“, ohne auch ein Gegenmittel anzubieten.“

Csaba (Krav-Maga-Trainer)

„Herr Walde hat bisher weder die israelische Gemeinschaft in Kreuzberg-Neukölln kontaktiert noch seine Unterstützung angeboten, was unsere Probleme betrifft. Für uns entsteht so der Eindruck, dass seine „Spritztour“ nichts anderes war als ein provokativer Akt, mit dem er aus islamophoben Gedanken politischen Nutzen ziehen wollte. Die meisten hier lebenden Israelis sind gegen die herrschende Regierung, das Schwenken der Israel-Fahne gehört gewiss nicht zu unseren alltäglichen Beschäftigungen. Sollte es Herrn Walde ernst sein mit seiner Unterstützung der Juden und Israelis hier in der Gegend, stellen wir ihm natürlich liebend gern eine Liste mit unseren genauen Bedürfnissen zur Verfügung.“

Dana Rothschild (Studentin der jüdischen Studien)

„Eine israelische Fahne auf dem Auto stellt für Menschen palästinensischer Herkunft hier in Neukölln eine Provokation dar und sagt überhaupt nichts über Antisemitismus aus. Oft habe ich das jetzt mit wildfremden jungen Herren in der U-Bahn, die mir als Dame mit Stock einen Sitzplatz anbieten, diskutiert.“

Deborah (Beterin der Fraenkelufer-Synagoge)

„In den letzten beiden Jahren hatte ich das Vergnügen, in Neukölln nahe der Boddinstraße, in dem lebendigen und dicht bevölkerten Teil zwischen Hermannstraße und Karl-Marx-Straße zu leben. Als Jüdin und israelische Staatsbürgerin kann ich Ihnen versichern, dass Neukölln tatsächlich eine No-Go-Area ist – und zwar für Rassisten, egal ob es Juden, Muslime oder Christen sind. Es ist sogar so, dass das Leben mit anderen Migranten zusammen hier mir eher das Gefühl gab, zuhause zu sein, mehr, als ich das in jedem anderen Bezirk Berlins hätte fühlen können. Hier habe ich mich in meinem alltäglichen Leben sicher, gut aufgehoben und willkommen gefühlt. Kam es hingegen zu Begegnungen mit deutschen offiziellen Stellen und Institutionen, fühlte ich mich schon häufiger unsicher, respektlos behandelt, ausgeschlossen und als (unwillkommener) Ausländer gebrandmarkt. Im Kontakt mit weißen Mittelstands-Europäern, vor allem mit Deutschen, haben meine Söhne und ich Antisemitismus erlebt (meistens einen „Antisemitismus light“ der Gebildeten). Es spricht für sich, dass Neukölln und andere Gebiete, in denen viele Muslime wohnen, von denjenigen stigmatisiert werden, die dort nicht einmal selbst leben.“

Ruth (Wissenschaftlerin)

„Wenn man bedenkt, dass gerade 2000 arabische Menschen durch israelische Waffen getötet wurden und er mit israelischer Fahne durch einen Bezirk mit großem arabischen Bewohneranteil gefahren ist, ist er eigentlich ziemlich glimpflich weggekommen. Schwer zu sagen wieviel die Reaktionen tatsächlich mit Antisemitismus zu tun hatten und wieviel mit hilfloser Wut auf eine klare Provokation mit Siegeszug-Charakter.“

Shlomit (Kunstpädagogin)